Regensburg – Mit dem TSV Bayer 04 Leverkusen gab am Samstagabend in der fast 100-jährigen Historie der 1928 ins Leben gerufenen Handballabteilung des ESV 1927 Regensburg ein ganz großer Name des deutschen Frauenhandballs erstmalig seine Visitenkarte an der Dechbettener Brücke ab. Der westdeutsche Rekordmeister – zwölf Meistertitel und neun DHB-Pokal-Siege stehen in der Vita – war in der vergangenen Saison nach 50 Jahren ohne Unterbrechung im Oberhaus in die 2. Alsco Handball Bundesliga Frauen abgestiegen und kämpft auch im Unterhaus um das sportliche Überleben.
Der große Name hatte den „Bunker“ gut gefüllt und der 42:26-Kantersieg der Werkselfen über Mitkonkurrent Kirchhof vor Wochenfrist die vorhandene Qualität des mit etlichen erstligaerfahrenen Spielerinnen besetzten Kaders unterstrichen. Die Gastgeberinnen waren gewarnt und hatten mit Joelle Arno einen starken Rückhalt im Kasten: Bereits in der 3. Minute kaufte die nach überstandener Gehirnerschütterung zurückgekehrte Torhüterin Britt van der Baan den ersten Strafwurf ab, drei weitere vereitelte Siebenmeter sollten im Spielverlauf folgen. Der ESV hatte am Anfang Pech mit der Chancenverwertung: Zwei blitzsaubere Würfe von den Flügeln klärte der Innenpfosten. Dazu kamen weitere Fehlwürfe und der ein oder andere unnötige Ballverlust.
Nach dem 4:4-Zwischenstand zeigten die Bunkerladies aber, wer Herr im Haus ist. Das Tempospiel mit sage und schreibe vier Linkshänderinnen am Feld war vor allem über die 2. Welle hervorragend: Julika Birnkammer und Theresa Lettl waren am erfolgreichsten, aber auch die Kreisläuferinnen wurden gefunden. „Wir haben Leverkusen konstant unter Druck gesetzt und nach der Findungsphase zu Beginn fast immer eine gute Lösung gefunden“, freute sich ESV-Trainer Bernhard Goldbach. Leverkusen spielte gut mit, leistete sich aber einige technische Fehler und neben den angesprochenen Fahrkarten vom Punkt auch weitere vergebene Hochkaräter. Aber auch das Heimteam hätte das Ergebnis noch höherstellen können, doch die eingewechselte Nela Zuzic im Tor vereitelte zwei Durchbrüche. Mit dem 20:14-Halbzeitstand konnte der ESV sehr zufrieden sein.
Der zweite Durchgang verlief relativ ähnlich: Leverkusen, mit der Ex-Regensburgerin Luise Gruber (1 Tor) im Kader, ließ nach Wiederanpfiff neben zwei weiteren Strafwürfen – einen davon parierte die eingewechselte Sophie Baur – auch mehre Gegenstöße liegen, die Joelle Arno glänzend vereitelte. Darauf gestützt schraubten die Bunkerladies den Vorsprung auf 31:23. Bei der starken Teamleistung überzeugte auch Diane Feles mit hundertprozentiger Quote (4 von 4). Die gleiche Bilanz wies der ESV übrigens auch bei den sicher verwandelten Strafwürfen von Melina Hahn und Franziska Peter auf.
Coach Goldbach nutzte die Gelegenheit, allen Spielerinnen Anteile zu geben und Stammkräfte zu schonen. Das klappte auch gut, nur die letzten 80 Sekunden ließen das Ergebnis durch einen 0:3-Lauf knapper werden als der Spielverlauf war. Der 36:33-Erfolg war aber gleichermaßen ungefährdet wie verdient. Bernhard Goldbach hatte eine gute Leistung seines Teams gesehen. „Gerade das Kreisläuferspiel haben wir ihnen genommen, das haben Ewi (Sophia Ewald) und Resi (Theresa Lettl) klasse gelöst“, freute sich der Übungsleiter darüber, dass Ex-Nationalspielerin Annika Ingenpaß am Kreis nur ein Feldtor gestattet wurde.
Während der ESV mit 22:16 Punkten den hervorragenden Rang sechs im Sechzehner-Feld festigte, rutschte Leverkusen (7:31) durch die Heimsiege von Buchholz-Rosengarten (7:27) und Kirchhof (8:28) auf einen direkten Abstiegsplatz ab. Kirchhof reist am kommenden Samstag nach Regensburg.
ESV 1927 Regensburg:
Feld: Birnkammer 9, Feles, Lettl je 4, Hahn 4/2, F. Peter 3/2, Ewald, Fuhrmann, Härtl, Mustafic je 2, Kollmer, Kessler, Opitz, S. Peter je 1 sowie Stürenburg

