Bunkerladies trotzen bei Premiere in Rostock allen Schwierigkeiten
Verdienter 31:34-Sieg der Regensburgerinnen bei den „Dolphins“ an der Ostsee-Küste
Rostock/Regensburg – Manchmal ist im Sport ein Spiel die beste Medizin. Der ESV 1927 Regensburg hatte in der 2. Alsco Handball Bundesliga Frauen nach der genauso unglücklichen wie unnötigen 27:28-Heimpleite gegen Freiburg mächtig Schaum vor dem Mund, wurde aber durch eine suboptimale Trainingswoche ausgebremst. Mit der erkrankten Maxie Fuhrmann fiel eine Stammkraft krankheitsbedingt aus, Positionskollegin Melina Hahn musste nach einer im Spiel gegen Freiburg erlittenen leichten Gehirnerschütterung ebenfalls passen. Dazu mussten einige weitere Spielerinnen in der Trainingswoche kürzer treten oder sogar ganz fernbleiben, sodass die Vorbereitung auf die weiteste Auswärtsfahrt der Saison alles andere als planmäßig verlief. In Rostock wartete ein Gegner, mit dem der ESV noch nie die Klingen gekreuzt hatte – und der gut drauf war. Am Ende hieß es verdient 31:34 für die Bunkerladies.
Dennoch waren es die Gäste, die trotz nahezu runderneuter Aufstellung besser aus den Startlöchern kamen. Nach der zwischenzeitlichen 5:3-Führung schraubte ein unbeantworteter Dreierpack den Vorsprung auf 8:3 nach gerade einmal etwas über zehn gespielten Minuten. Auch in der Folgezeit des ersten Durchgangs erspielten sich die Oberpfälzerinnen zahlreiche gute Möglichkeiten, doch die Verwertung war mangelhaft. Entweder man scheiterte mit zu halbherzigen Würfen an RHC-Keeperin Lena Clasen oder am Aluminium. So mündete die Überlegenheit der Gäste nur in einem 15:13-Vorsprung zur Pause, auch weil die letzte halbe Minute maximal unglücklich verlief. Ein verpasster Steal führte nicht zum Ballgewinn, sondern zur Zeitstrafe. Dadurch nahmen die Regensburgerinnen die Keeperin vom Feld: Beim letzten Wurf blieb der Freiwurfpfiff getreu der sehr großzügigen Linie der Schiedsrichter aus und der ESV kassierte quasi mit der Pausensirene einen Treffer in den verwaisten Kasten. Ein doppelter Dämpfer.
In seiner Kabinenansprache forderte Trainer Bernhard Goldbach mehr Überzeugung in den Abschlüssen: „Wir machen uns das Leben selbst schwer, weil wir nicht entschlossen genug werfen.“ Trotz der mahnenden Worte nutzten die Gäste auch nach Wiederanpfiff einige Hochkaräter nicht. Einzig die überragende Julika Birnkammer und Sara Mustafic verwandelten ihre Möglichkeiten konsequent. Rostock traf etwas besser und holte sich einige Ein-Tor-Führungen. Beim 23:22 nahm Goldbach die zweite Auszeit. Im Anschluss agierte die Regensburger Deckung gut und zwang die Dolphins zu einigen Fehlern.
Milena Stürenburg setzte dann auf der Rückraumlinks-Position Akzente und deutete mit fünf Feldtoren ihr Potenzial mehr als nur an. Gut fünf Minuten vor Spielende dann die entscheidende Sequenz: Der ESV traf zum 29:27 und erhielt für ein Foul beim Zurücklaufen eine Zeitstrafe. Den Siebenmeter der langjährigen Erstliga-Spielerin Nele Reimer parierte die eingewechselte Sophie Baur und in Unterzahl brachten Birnkammer und Stürenburg ihre diesmal Weiß-Magenta-Farben vorentscheidend in Führung. Mitverantwortlich dafür auch die Siebenmeterquote: Theresa Lettl, die in der Schlussphase mit einer Nasenblessur ausgeschieden war, und ihre Mitspielerinnen netzten alle sechs Versuche vom Punkt, während Rostock drei Möglichkeiten liegen ließ.
In der Schlussphase agierten die Bunkerladies routiniert und holten sich den verdienten Zweier. Der vierte Auswärtssieg in Serie und bereits sechste im achten Auftritt schob Bayerns einzigen Frauen-Bundesligisten auf Rang fünf. Bernhard Goldbach war stolz auf sein Team: „Die Woche war inklusive Anreise und Spielverlauf ein richtiger Stresstest, den die Mädels bestanden haben.“ Der Übungsleiter konnte alle zur Verfügung stehenden 15 Spielerinnen einsetzen. „Wirklich jede hat zu diesem Teamerfolg beigetragen, das ist das Schönste.“
Mit dem positiven Hinrundenabschluss ist der ESV (18:10) dem Klassenerhalt in der 2. Alsco Handball Bundesliga Frauen schon nach der ersten Saisonhälfte sehr nahe. Alle Mannschaften aus dem hinteren Drittel konnten nicht punkten und der Vorsprung der Regensburgerinnen auf die Abstiegszone beträgt 14 Zähler. „Wir haben auswärts schon dreimal so viel Punkte geholt wie die Mannschaften aus dem Tabellenkeller insgesamt, das ist kaum zu glauben“, freute sich Robert Torunsky. „Die Hinrunde ist bis auf das Freiburg-Heimspiel nahezu optimal verlaufen. Der Sieg in Rostock war der krönende Abschluss, vor allem weil vor und hinter den Kulissen dafür viel investiert wurde“, sagte der Sportliche Leiter.
ESV 1927 Regensburg:
Tor: Arno, Baur
Feld: Birnkammer 9, Stürenburg 5, F. Peter 5/1, Lettl 5/5, Mustafic 4, Opitz 2, Ewald, Härtl, Kollmer, S. Peter je 1 sowie Kessler, Feles und Goldbach

