ESV 1927

Damen I

Bunkerladies gehen nach Krimisieg über die Füchse Berlin als Fünfter in die Spielpause

H.C. Wagner
Foto: H.C. Wagner

Duplizität der Ereignisse: Wie schon im Hinspiel im Oktober gewinnen die Zweitliga-Handballerinnen des ESV 1927 Regensburg mit der kleinstmöglichen Differenz gegen die Füchse Berlin. Am Samstagabend entschieden die Bunkerladies den neuerlichen Krimi mit 26:25(11:13) für sich.

Beide Teams mussten auf etliche Leistungsträgerinnen verzichten. Die Gäste kamen damit zunächst besser klar und lagen nach exakt drei Minuten mit 4:0 in Front. Die Gastgeberinnen mussten sich nach dem Katastrophenstart erst schütteln, kämpften sich dann aber über leidenschaftliche Abwehrarbeit zurück in die Partie. Ab der 18. Minute sorgte dann ein von den Spreefüxxen unbeantworteter Dreierpack für die erste ESV-Führung (10:9). Ab der 20. Minute sollte den Bunkerladies aber nur noch ein Törchen gelingen: Die Ex-Regensburgerin Natalia Krupa zeigte einige starke Paraden, zweimal rettete der Innenpfosten für die Gäste und kurz vor dem Seitenwechsel machte dem Heimteam dann noch eine doppelte Unterzahl zu schaffen. Berlin tat sich gegen die ESV-Defensive ebenfalls sehr schwer, konnte sich mit einem Treffer in letzter Sekunde von Michelle Stefes aber einen 13:11-Pausenvorsprung herauswerfen.

Die erfahrene Gästelinksaußen sorgte dann kurz nach Wiederanpfiff mit einem Wembley-Tor vom Siebenmeterstrich für das 16:13 aus Berliner Sicht und wenig später für die erneute 4-Tore-Führung (18:14). Hüben wie drüben wurden die Reihen mit Zeitstrafen gelichtet, Siebenmeter zum Unverständnis der Regensburger aber ausschließlich für die Gäste ausgesprochen (10:0). Kurioserweise sorgte dann ein ESV-Fehlpass für einen Wechselfehler bei den Füchsen, der der torgefährlichen Isa Ternede in der 40. Minute die Disqualifikation nach der dritten Zeitstrafe einbrachte – eine empfindliche Schwächung. Den geschenkten Ballgewinn nutzte die glänzende Theresa Lettl zum 18:20-Anschlusstreffer. In der Folgezeit spielte Regensburg sehr druckvoll und sich gute Möglichkeiten raus, scheiterte aber einige Male an der ehemaligen Mitspielerin Krupa. 

Nach 50 Minuten konnte Stefes vom Punkt auf 24:21 erhöhen, doch ab diesem Zeitpunkt ließ die ESV-Abwehr kaum mehr etwas zu. Bei Berlin schwanden die Kräfte und die heimischen Fans hatten den Bunker wieder einmal in einen Hexenkessel verwandelt, in dem es schwierig zu spielen war. Vermutlich war es deshalb der Handballgott in der 53. Minute höchstpersönlich, der bei einem mehr als diskutablen Strafwurf, dem ein glasklarer Schrittfehler vorausgegangen war, den Ball der bis dato fehlwurffreien Michelle Stefes (13/8 Tore) an den Innenpfosten lenkte. Mit den Fans im Rücken drehten die Bunkerladies den Rückstand: Unter ohrenbetäubendem Jubel markierte Nicole Lederer, mit acht Feldtoren erneut beste Werferin der Schwarz-Blauen, knapp sechs Minuten vor Ultimo den Ausgleich.

Die in Abwehr und Angriff starke Kreisläuferin Julia Drachsler erzielte 59 Sekunden später dann die erste Führung seit der 20. Minute. Als Torhüterin Steffi Lukau anschließend einen Stefes-Strafwurf parierte erreichte das „Bunkerbeben“ den zweithöchsten Wert auf der Richterskala. Den Bestwert stellte kurze Zeit später das Tor von Nicole Lederer dar, die 149 Sekunden vor Ultimo bei angezeigtem passiven Vorwarnzeichen das 26:24 über die Berliner Mauer hinweg erzielte. Die Gäste aus der Hauptstadt versuchten alles: Leoni Baßiner gelang auch per Schlagwurf, 59:16 waren gespielt, der Anschlusstreffer. Im Gegenzug parierte die ins Füchse-Tor zurückgekehrte Krupa einen freien Ball. Mit aller Macht stemmten sich die Bunkerladies dann im letzten Angriff des Spiels gegen den Ausgleichstreffer.

Der letzte Freiwurf der Spreefüxxe blieb im kompakten Block hängen und kollektiver Jubel brach nach dem Krimisieg aus. „Ich bin überglücklich. Dass wir zweimal gegen die Füchse gewinnen, macht mich sehr stolz. Hut ab vor den Mädels, die mit einer herausragenden Mannschaftsleistung zweimal im Spiel einen 4-Tore-Rückstand gedreht haben“, freute sich ESV-Trainer Bernhard Goldbach nach dem Abpfiff. Der Coach hatte neben dem „sensationellen Kollektiv“ ein Sonderlob für Spielmacherin Maxie Fuhrmann parat, die trotz Wurfpech eine gute Partie abgeliefert hatte. 

Durch den neunten Heimsieg im elften Auftritt an der Dechbettener Brücke klettern die Bunkerladies mit 23:17 Punkten auf Platz fünf der Tabelle und dürfen sich jetzt auf eine dreiwöchige Pflichtspielpause freuen. In der werden einige Partien nachgeholt und die Tabelle glattgezogen. Die gute Nachricht für den ESV: Die aktuelle Platzierung ist dem Team trotzdem nicht zu nehmen. „Die Unterbrechung vor dem Saisonendspurt kommt gerade zum richtigen Zeitpunkt. Die Mädels können vor dem Schlussdrittel der Saison nochmal die Akkus aufladen und Wehwehchen auskurieren“, sagte der Sportliche Leiter Robert Torunsky „nach einer Mannschaftsleistung, die in Sachen Kampfgeist und Miteinander kaum zu toppen ist“.

Kurios: Die nach 20 von 30 absolvierten Partien bereits erreichten 23 Punkte des ESV hätten seit der Einführung der eingleisigen 2. Handball Bundesliga Frauen in der Saison 2011/12 immer zum Klassenerhalt gereicht. Trotz dieses vorzeitig erreichten Meilensteins werden die Regensburgerinnen noch einige weitere Erfolgserlebnisse benötigen. „Durch den verschärften Abstieg sind Mannschaften im Abstiegskampf, die dafür viel zu viel Qualität haben. Dementsprechend kräftig punkten auch die Teams im unteren Drittel. Da noch 20 Punkte zu vergeben sind, müssen wir noch einige holen, um ganz sicher sein zu können. Aber mit der Zwischenbilanz sind wir natürlich mehr als zufrieden und dürfen auch sehr optimistisch sein“, blickt Torunsky voraus. Weiter geht es für die Bunkerladies am 16. März mit dem Auswärtsspiel in Lintfort.

ESV 1927 Regensburg:

Tor: Joelle Arno, Stephanie Lukau

Feld: Nicole Lederer 8, Franziska Peter 5, Julia Drachsler, Theresa Lettl, Annalena Kessler je 3, Johanna Brennauer 2, Maxie Fuhrmann, Carina Vetter je 1 sowie Carolin Hübner, Sara Mustafic und Lea Röhrl

DHB Pokal

03.09.23

30:28

ESV 1927

2. Liga

 

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